20 Jahre Chinesische Medizin & darüber hinaus

In der Praxis für Ostasiatische Heilverfahren & Integrative Medizin werden ausnahmslos alle Beschwerdebilder behandelt, soweit möglich. Manche Erkrankungen haben Spezialisierungen hervorgebracht, denen ich, soweit erforderlich, besondere Aufmerksamkeit schenke. Hierzu gehören u.a. die Augenakupunktur, die Integrative Onkologie, die Schädelakupunktur bei neurologischen Leiden. Dabei ergänzt mein Angebot das schulmedizinisch Verfügbare.

Der Weg vom ersten Reiz bis in die Gegenwart ist bei vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich dieser einen Sache, der Chinesischen Medizin, spezifischer der Akupunktur verschreiben, ein oft vergleichbarer:

„Nachdem ich ‚Das Netz das keinen Weber hat‘ (The Web that has no Weaver) von Ted Kaptchuk gelesen und eine Freundin in ihrer Klinik bei der Arbeit beobachtet hatte, hatte ich meine „große Liebe“ gefunden und entschied Akupunktur lernen zu wollen“… „während meiner „Honeymoon-Phase“ hatte ich die Kunst der Akupunktur bis zu einem gewissen Grade idealisiert und jene Phase begann mit der Aufnahme des formalen Trainings ihren Reiz zu verlieren. Das erste Studienjahr war geprägt durch einen Haufen Theorie, die nur initial interessant war, und durch das Beobachten von Akupunkturbehandlungen, die nur selten unmittelbare Wirkung zeigten, was mein Herz gefühlt schwer belastete. Die Behandlerinnen und Behandler erklärten dem Patienten dies für gewöhnlich wie folgt: „Wir behandeln die Wurzel des Übels und so kann es einige Behandlungen brauchen, bevor wir ein Ergebnis sehen.“ Für gewöhnlich bestanden deren Behandlungen aus festen Punktkombinationen, die als solche bei bestimmten Symptomen vorbeschrieben sind. Die Methodik eine Nadel direkt an den Ort des Problemes zu setzen oder aber mit vorbereiteten Rezepturkombinationen zu arbeiten entsprach so gar nicht dem, was ursprünglich meine Liebe zur Orientalischen Medizin weckte.“

Dr. Burris (übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche: Dr. Lemke)

Diese Worte könnten so gut wie 1 zu 1 meine eigenen sein. Während Dr. Burris seine „große Liebe“ jedoch wie oben beschrieben fand (und kurz zuvor noch für den CIA anzuheuern gedachte), befand ich mich mitten im Soziologiestudium und beschäftigte mich u.a. mit Medizin- und Kultursoziologie sowie im Nebenfach Philosophie mit unterschiedlichen Traditionen nicht nur „europäischer“ Natur sondern im Internationalen Vergleich. Am Ende kamen hinzu eine Prise des Selbstbehandeltwerdens mit Akupunktur sowie die Aufnahme einer kampfsportbetonten Tai Chi Variante, nachdem mein Bruder mich damalig für zu fett hielt und mir seinen Kung Fu Lehrer unter die Nase rieb, und “ voilà „: mein Wunsch war geboren. Ich nahm das Medizinstudium auf, begann parallel mit der Ausbildung in TCM und fand mich, ein wenig desillusioniert, in der Welt der TCM wieder:

„An den meisten Schulen wird TCM = Traditionelle Chinesische Medizin gelehrt. Daran kommt man nicht vorbei. Doch trotz des Namens ist die Traditonelle Chinesische Medizin ein relativer „Newcomer“ in der Akupunktur-Szene. Der Medizinhistoriker Kim Taylor benennt die TCM als die ‚standardisierte durch die Regierung kreiierte Form der Medizin, die seit 1956 in der Volksrepublik China verbreitet wurde. Die Etablierung einer westlich orientierten Medizin scheiterte am Kostenfaktor… und so gab es 1956, 10 Jahre nach Machtübernahme durch die Kommunisten, seitens des Gesundheitsministeriums den Erlaß ‚eine große Zahl an Praktizierenden der Chinesischen Medizin‘ auszubilden, um die ‚Bedürfnisse der Masse‘ befriedigen zu können. Nicht jeder aber war mit diesem Vorgehen einverstanden und so wendeten sich 5 alte und anerkannte Akupunkteure im Jahr 1962 mit einem Schreiben an das Gesundheitsministerium. Man diffamierte sie umgehend als „böse Menschen bar jeder Beschreibung“ und deren Schreiben als „giftiges Kraut“. Einem wurden direkt die Rippen gebrochen und jener weggesperrt, und alle außer einem starben während der Kulturrevolution (Mai 1966 bis 1968) .“

Dr. Burris (übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche: Dr. Lemke)

„Ich äußerte meine Zweifel an der Wirksamkeit der TCM meinen älteren Mitschülern und Professoren gegenüber und jene „raunten“ von Stilen die weit effektiver sein sollten… vor der Standardisierung/Vereinheitlichung der Akupunktur im Rahmen der TCM fanden sich mehrere Strömungen sowohl in Diagnostik als auch Behandlung. Familien, Clans oder auch ganze Gemeinden wiesen ihre je ganz eigenen Stile auf mit gut gehüteten Geheimnissen.“

Dr. Burris (übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche: Dr. Lemke)

Und von da an begab Dr. Burris sich auf eine ähnliche Reise wie ich und viele andere (vielen begegne ich hin und wieder nicht ohne Grund bei dem ein oder anderen Treffen) durch unzähliche Stile hindurch. Meister Tung, Dr. Tan, Kiiko Matsumoto und viele viele mehr – und gerade mit Blick auf die Akupunktur viele weit effektiver als die gängig gelehrte Akupunktur der TCM.

In Arbeit…

Mit Blick auf die Kräuterheilkunde ließen sich viele weitere Tücken benennen (u.a. mangelnde Verfügbarkeit spezifischer Kräuter, Versetzen von Granulaten mit weniger verträglicher Stärke etc. etc. etc.). Mit den mir mittlerweile zur Verfügung stehenden 3 Kräutertraditionen in der Behandlung ist vieles möglich geworden, was mit einem Stil möglich wäre aber aufgrund äußerer Rahmenbedingungen oft nicht umsetzbar ist. Im wesentlichen kommt die Integrative Chinesische Medizin = ICM nach Jeremy Ross zum Einsatz. Die Diagnostik ist umfassend, die Anwendung alkoholischer Tinkturen anstelle von selbst aufzukochenden Rohdrogen einfacher, haltbarer sowie kosteneffizienter und die Nutzung meist westlicher Heilkräuter unserem Lebensraum entsprechend angepasster.